Nano im Alltag - Wo steckt's drin?

Verbrauchernahe Produkte

Imprägnieren: Wasser oder Schmutz abweisend Im Handel finden sich viele Produkte zur Beschich­tung, Reinigung und zum Imprägnieren, die mit einem Nano-Effekt werben. Das Produkt soll einen hauchdünnen Film von Nanopartikeln auf der Oberfläche von Fensterscheiben, anderen glatten Oberflächen oder Leder und Textilien hinterlassen, der Wasser oder Schmutz abweisend wirkt oder antibakterielle Eigenschaften hat. Nanosilber in Textilien (z. B. Socken) soll geruchsbildende und andere Bakterien abtöten und antistatische Eigen­schaften haben. Einen Überblick über nanotechnologisch hergestellte Produkte, die auf dem deutschen und internationalen Markt erhältlich sind, gibt die englischsprachige Webseite The Project on Emerging Nanotechnologies

Kosmetika

Tube Sonnencreme In der Kosmetikherstellung kommen Nanopartikel bereits seit längerem zum Einsatz. Die Nanotech­nologie verspricht hier eine bessere Verträglichkeit, längere Haltbarkeit und höhere Stabilität der Produkte. Titandioxid in Nanogröße wird vor allem in Sonnenschutzmitteln benutzt, um die Wirksamkeit des Sonnenschutzfilters zu erhöhen. Lichtschutzfaktoren über 15 sind heute nur mit Nanopartikeln erreichbar und ein wichtiger Beitrag zur Reduzierung des Hautkrebsrisikos. Aber auch kosmetische Wirkstoffe sollen durch Nano­partikel in tiefere Hautschichten eingeschleust werden und länger in der Haut verbleiben. Damit nähern sich kos­metische Produkte pharmazeutischen Produkten an und Kosmetik und Dermatologie überschneiden sich.

Die im März 2009 vom Europäischen Parlament verabschiedete Kosmetikverordnung legt fest, dass alle Inhaltsstoffe in der Form von Nanomaterialien eindeutig in der Liste der Inhaltsstoffe mit der Vorsilbe "Nano-" aufgeführt werden müssen.

Lebensmittel

rieselndes Salz Seit dem 13. Dezember 2014 regelt die EU-Verordnung 1169/2011 (Lebensmittel-Informationsverordnung) auch die Kennzeichnung von Lebensmitteln, die Nanomaterialien enthalten. Demnach müssen alle Zutaten, die in Form technisch hergestellter Nanomaterialien im Lebensmittel vorhanden sind, im Zutatenverzeichnis eindeutig aufgeführt werden. Auf die Bezeichnung solcher Zutaten muss das in Klammern gesetzte Wort "Nano" folgen. Ob und inwieweit Nanotechnologie in der Lebens­mittelindustrie zur Verwendung kommt, ist nicht ganz klar. Einige Lebensmittelzusatzstoffe, die auch in nanoskaliger Form vorliegen können, werden bereits seit langem eingesetzt. Siliziumdioxid (E551), Magnesiumoxid (E530) oder Titandioxid (E171) sind als Lebensmittelzusatzstoffe getestet und zugelassen. Bei der Herstellung entstehen Partikel in der Größe von ca. 5 - 50 nm. Diese agglomerieren allerdings meist bei der Weiterverarbeitung oder im Endprodukt. Als agglomerierte Partikel sind diese nicht den Nanopartikeln zuzurechnen. Diese Lebensmittelzusatzstoffe werden als Rieselhilfen in Salz und Gewürzen oder als Fließhilfe z. B. in Ketchup eingesetzt.

Auf der anderen Seite gibt es immer wieder Meldungen über den Einsatz von Nanopartikeln in Lebensmitteln: z. B. interaktive Produkte wie Nanokapseln, die je nach Wattzahl der Mikrowelle unterschiedliche Farben oder Aromen freisetzen. Die Markteinführung solcher Produkte gilt als höchst unwahrscheinlich. Die sogenannten Nutraceuticals, die den individuellen Nährstoffbedarf einer Person decken sollen, sind im Grenzbereich zwischen Lebens- und Arzneimittel anzusiedeln, so dass es fraglich ist, ob ein solches Produkt rechtlich als ein Lebensmittel gelten darf oder als Medikament zugelassen werden muss. Von Seiten der Lebensmittelproduzenten gibt es dazu oftmals keine eindeutigen Aussagen. Tatsache ist, dass die Verbraucher den Einsatz von Nanotechnologie in der Lebensmittelproduktion klar ablehnen (BfR). Anders sieht es in ostasiatischen Ländern aus, wo bereits Lebensmittel auf dem Markt sind, die Nanopartikel mit allerlei positiven Wirkungen enthalten sollen (z. B. Anti-Aging-Joghurt mit Platin-Partikel).

Die Grundstoffe für Nahrungsergänzungsmittel, wie z. B. Vitamine, werden bereits seit Jahren in Mikrometergröße verkapselt, ob dies mittlerweile auch in Nanogröße passiert, ist nicht klar. Auch in Lebensmittelverpackungen und Küchengeräten werden Nanopartikel eingesetzt, um antimikrobielle Eigenschaften zu erreichen. So gibt es Kunststoffboxen, die mit Silberionen beschichtet sind, die die Haltbarkeit der Lebensmittel verlängern sollen. Das LGL untersuchte im Rahmen des Projekts LENA umfassend die Verwendung von Nanopartikeln in Nahrungsergänzungsmitteln und Lebensmittel­verpackungen. Einen Schwerpunkt bildeten unter anderem Untersuchungen zu einer möglichen Migration von Nanopartikeln aus dem Verpackungsmaterial in das Lebensmittel.

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